Wie effizient ist der Schweizer Staat?
- phipuschmid
- 10. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Bürokratiewahnsinn hier, zu viel Gesetze dort. Wir Schweizer meckern gerne über unsere Verwaltung. Doch ist das eigentlich begründet? Ein Blick in die Effizienz der Schweizer Verwaltung.

Definieren wir den Staat vorerst in einem engeren Sinn: die „allgemeinen Dienste“ beinhalten nur die Verwaltungskosten, nicht aber staatliche Bereiche wie Bildung, Polizei, Verteidigung oder Politik. Diese allgemeinen Dienste kosten jährlich 12 Milliarden CHF, die Hälfte davon sind Personalausgaben. Im Verhältnis zu den 252 Milliarden CHF an gesamten Staatsausgaben sind das 5%. Diese Zahl ist eine der kleinstmöglichen, sozusagen die gutmütigste Perspektive.
Je nach Definition von Verwaltung und je nach Ausgangspunkt ergeben sich höhere Werte. Die OECD z.B. kommt in ihrer Definition darauf, dass 12.8% der gesamten Staatsausgaben für direkte Staatsangestellte verwendet werden. Dieser Wert ist über dem OECD-Durchschnitt von 11.5%, womit sich die Schweiz im hinteren Drittel befindet.
Wer einen Blick in die Privatwirtschaft und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wagt: Bei NGOs spricht man von Overhead-Kosten. In der Schweiz ist dieser Wert bei durchschnittlich 12%. In der Privatwirtschaft ist das Pendant die sogenannten SG&A, welche üblicherweise ebenfalls zwischen 10 und 20 Prozent der gesamten Kosten sind. Natürlich sind die Aufgaben und Kostenstrukturen von Staaten, NGOs und privatwirtschaftlichen Unternehmen grundverschieden und äusserst schwierig zu vergleichen. Trotzdem ist es anschaulich, dass die Verwaltungskosten bei allen drei Organisationstypen in ungefähr ähnlichen Bereichen sich bewegen.
Die Steuerverwaltung
Ich wollte zudem wissen, wie viel eigentlich in die Steuerverwaltung selbst geht. Die OECD nennt für die Schweiz den Wert von 0.46%. Von 100 Steuerfranken gehen also um die 46 Rappen in die Schweizer Steuerverwaltungen, wobei auch bei diesen Zahlen Vorsicht zu geniessen ist. Klar scheint, dass die Schweiz verhältnismässig effizient agiert: Platz 28 von 140, in Europa Platz 6.
Schauen wir uns nun an, wie viele Personen in der öffentlichen Verwaltung arbeiten: Auch hier ist die Schweiz schlank unterwegs, da lediglich 11% aller Angestellten Staatsangestellte sind. Dies ganz im Gegensatz zu den oft gelobten Skandinavischen Ländern, welche allesamt zwischen 25 und 30% liegen. Umso erfreulicher ist, dass die Zufriedenheit in der Schweiz sehr hoch ist: Sowohl mit den staatlichen Dienstleistungen (81%, Platz 6 in der OECD), wie auch bezüglich Vertrauen in die Regierung (62%, Platz 1) und der Meinung, als Bürger Einfluss nehmen zu können (58%, klar Platz 1).
Zu hohe Löhne
Ein letztes Argument, das oft hervorgebracht wird ist, dass Beamte zu viel verdienen. Dies ist insgesamt tendenziell richtig, gemäss 2022 war der Medianlohn tatsächlich um 1584 CHF höher als in der Privatwirtschaft. Eine vergleichende Studie des Beratungsunternehmens PwC kommt jedoch zur Ansicht, dass die öffentlichen Gehälter denen des privaten Sektors weitgehend ähnlich sind. Einige Positionen werden in der Öffentlichkeit sogar weniger bezahlt, insbesondere in Führungspositionen.
Fazit
Die Bedingungen sind mit Sicherheit gut, so ehrlich müssen wir sein. Eine stabile Wirtschaft, zahlungskräftige Personen und Unternehmen, ein geografisch kleines Land. Das alles hilft, um eine funktionierende Verwaltung und ein stabiles politisches System aufzubauen.
Nicht zuletzt trägt gerade der Föderalismus – trotz seiner Schwächen – wesentlich dazu bei, dass das Vertrauen in staatliche Institutionen in der Schweiz weiterhin relativ hoch ist. Dies bringt wichtige Vorteile wie eine hohe Steuermoral, politische und wirtschaftliche Stabilität und eine schlankere Verwaltung, da Aufgaben wie das Stimmenzählen in die Bevölkerung ausgelagert werden können.
Zwischen Mittelmeer und Nordsee wurde ein Land geschaffen, wo viele gute Entscheidungen getroffen wurden, gerade punkto Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Es gibt keinen Grund so zu tun, als würde der Grossteil des Steuergeldes in die Verwaltung fliessen. Als hätten wir ein System, das die Bürger nicht mitbestimmen lässt.
Denn das wäre schlichtweg falsch. Ja, die Verwaltung hat Korruptionsskandale hinter sich und gerade die Justiz weist weiterhin gewisse langsame und träge Strukturen auf. Unser föderalistisches System tendiert verglichen mit anderen Systemen zu Vetterliwirtschaft, starkem Lobbying und ineffizienter Verwaltung.
Aber es ist ein Land, das es trotzdem schafft, dass die Bürger:innen zufrieden mit den Dienstleistungen sind. Wo ein Grossteil der staatlichen Ausgaben nicht in die Verwaltung investiert werden, sondern in Bildung, Gesundheit und Rente. Und wo über die Hälfte der staatlich ausgegebenen Franken als Transferausgaben (AHV, IV, ALV etc.) bei uns auf dem Konto landen.
Quellen:
OECD: Government at a Glance 2025
Swiss Public Finances 2023 - 2024,
Switzerland Report: Sustainable Governance Indicators 2024, Armingeon, Klaus; Sager, Fritz; Mavrot, Céline; Zohlnhöfer, Reimut
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